
Aktuell werde ich zu vielen Kulturthemen gefragt. Kann es viele Aspekte geben, aber eigentlich heisst es nur: gehen Sie raus, verlassen Sie mal wieder die schützende Wohnung, genießen Sie die Kultur #draussen mit Musik, Konzerten im kleinen wie auch unsere Filmabende und nehmen Sie Freunde mit.
Der Journalist Paul Lufter hat mich für seinen TAGESSPIEGEL Newsletter neulich dazu befragt, bei einer sommerlichen Cola im Hellersdorfer La Paz haben wir uns zum Thema Kultur unterhalten.
Da nicht alle den Newsletter abonniert haben, gibt es den Text hier:
„Kulturstadträtin Juliane Witt über die Kulturszene in Zeiten von Corona. Die Corona-Krise hat Kulturschaffende rund um den Globus vor große Herausforderungen gestellt. Auch in Marzahn-Hellersdorf waren Akteur*innen mit ungeahnten Hürden konfrontiert. Mit den sinkenden Inzidenzen in diesem Sommer konnte zumindest eine Art der Normalität wieder erreicht werden, die Kulturveranstaltungen in einem gewissen Rahmen wieder zulässt, der alte Status quo liegt jedoch noch in weiter Ferne.
„Besonders Sorgen haben ich mir um unsere Künstler*innen gemacht“, sagt Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke). Ansonsten zeichnet sie ein vorsichtig optimistisches Bild. Kommunale Kultureinrichtungen hätten Unterstützungen vom Bezirk bekommen und seien deshalb nicht in Gefahr gewesen, sagt sie. Für andere hätten Bundeshilfen gegriffen. „Für die Künstler war die Zeit jedoch besonders schwierig. Bei der Frage der fehlenden Auftritte ging es nicht allein um Geld. Viele von ihnen leben auf und für die Bühne“, erklärt sie.
Zwar gab es auch für Künstler*innen Unterstützungsangebote und finanzielle Hilfen, doch das Publikum war weg und es musste neu gedacht werden. Zum Glück hätten viele Kulturschaffende sich flexibel gezeigt und seien auf digitale Angebote umgestiegen. „Selbst Künstler, die vorher nichts mit digitalen Angeboten am Hut hatten, haben in dieser Zeit angefangen, online Workshops und Ähnliches zu geben“, sagt Witt.
Auch die Chöre hat die Krise schwer getroffen. „Sie hatten im letzten Jahr nicht nur ihre Auftrittsorte, sondern auch ihre Probeorte verloren.“ Gerade als Kirchen und Seniorenheime für die Öffentlichkeit nur noch eingeschränkt geöffnet waren, kam das Chorleben im Bezirk zum Erliegen. Deshalb hatte Witt den Chorstammtisch ins Leben gerufen, um sich zuerst digital und später auch persönlich zu treffen und Lösungen zu finden.
Inzwischen können die Chöre wieder proben und haben sich teilweise sogar neue Standorte erschlossen. „Einige Chöre proben jetzt im Kulturforum und auch in den Gärten der Welt“, sagt Witt. Insgesamt habe sich die Stimmung deutlich gebessert. Auch das zentrale Sängerfest soll in diesem Jahr wieder stattfinden. Geplant ist die Veranstaltung für den 3. Oktober in der Parkbühne Biesdorf.
Was den kommenden Herbst und Winter angeht, ist die Planung schwer, wie Witt sagt. Für die kommunalen Einrichtungen will das Bezirksamt Luftfilter bestellen. Die Anschaffung der Geräte ist laut Witt bereits in der Bearbeitung, das Land stellt dafür die Mittel bereit. Sie hofft, dass auch in den kommenden Monaten bei Veranstaltungen die Nachweise für die „drei G“ (genesen, getestet, geimpft) ausreichen. Wichtig sei, dass die Bürger*innen die aktuellen Möglichkeiten nutzen. „Gehen Sie jetzt raus“ lautet ihr Appell „Keiner weiß, was passieren wird. Nutzen Sie die Angebote und die Möglichkeiten, die gerade da sind. Besuchen Sie Künstler, Konzerte und draußen Kinonächte.“ Nicht nur im Bezirk zeigt sich laut Witt, dass viele Menschen sich in der Corona-Situation „eingerichtet“ haben. „Es ist eine Herausforderung, das soziale Leben wieder anzustoßen“, sagt Witt.
Auch die Angst vor dem Virus sorgt dafür, dass wenig Leute Veranstaltungen besuchen. Von den meist kleineren Gruppen bei Veranstaltungen im Bezirk würde laut Witt keine Gefahr ausgehen. Große Menschenansammlungen wie in anderen Bezirken seien in Marzahn-Hellersdorf nicht zu erwarten. Aber gerade deshalb, weil Veranstaltungen im Bezirk bereits weniger Publikum anziehen, fällt es umso mehr auf, wenn die Menschen daheimbleiben. Es bleibt zu hoffen, dass das soziale Leben nicht mit dem Herbst wieder vollständig zum Erliegen kommt.“ Tagesspiegel