
🟨 Vormerken 20. September:
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz Marzahn-Hellersdorflädt zu einem festlichen Kolloquium zur Erinnerung an Reimar Gilsenbach
Der Schriftsteller, Menschenrechtler und Umweltaktivist wäre am 16. September 100 Jahre alt geworden / Bündnis lädt für den 20. September in die Mark Twain Bibliothek von Berlin-Marzahn ein.
Der Publizist und Schriftsteller, der sich in der DDR über Jahrzehnte für den Erhalt von Natur und Umwelt, aber auch für die Rechte von Minderheiten engagiert hat, wäre am 16. September 100 Jahre alt geworden.
In einer Zeit, in der Schweigen oft einfacher gewesen sei, habe er sich auch aktiv für die Rechte der Sinti und Roma eingesetzt, betont Bündnis-Sprecher Wolfram Hülsemann in der Einladung.
Das festliche Kolloquium Mark Twain Bibliothekim Zentrum von Berlin-Marzahn beginnt am 20. September um 15 Uhr mit Erinnerungen an Reimar Gilsenbach. Dazu erwartet werden u. a. Beiträge von Hannelore Gilsenbach, Simone Trieder, Prof. Michael Succow und Jörn Mothes. Mit „anstoßenden Sätzen“ von Reimar Gilsenbach sowie einem Konzert der Band Sinti-Swing-Berlin soll dann ab 19 Uhr das festliche Zusammensein, das unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic steht, ausklingen.
Reimar Gilsenbach ist 1925 in einer Anarchistensiedlung bei Hünxe (Niederrhein) geboren und aufgewachsen. Nach Schulbesuch in Duisburg und Dresden kam er 1943 zur Wehrmacht und lief 1944 bei Narva zur Roten Armee über. Es folgte eine dreijährige Kriegsgefangenschaft, bevor er 1947 nach Deutschland zurückkehrte. 1949 begann er als Redakteur bei der Sächsischen Zeitung, wurde jedoch schon kurze Zeit später aus politischen Gründen fristlos entlassen. 1951 ging er als Redakteur zu der vom DDR-Kulturbund herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Heimat“.
Von 1961 an war Reimar Gilsenbach als freischaffender Schriftsteller tätig. In zahlreichen Reportagen, Sachbüchern und Romanen setzte er sich gegen alle staatlichen Widerstände für den Schutz der natürlichen Umwelt ein. 1975 zog er in das Dorf Brodowin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, von wo er zusammen mit Hannelore Kurth, seiner späteren Ehefrau, Liederabende mit eigenen Texten gestaltete. 1981 gab er den Anstoß zu den „Brodowiner Gesprächen“, die sich zu einem Forum für Umweltengagierte und Oppositionelle entwickelten. Hier wurden Reformideen entworfen, die später die Friedliche Revolution von 1989 mitprägten. Er gilt zudem als Vater des „Ökodorfes“, zu dem sich Brodowin nach 1990 entwickelte.
Seit 1965 engagierte sich Reimar Gilsenbach, der von 1964 an mit Robert Havemann befreundet war und später die Tagebücher von Wolf Biermann in seinem Garten vor dem Stasi-Zugriff versteckte, zudem für Kultur und Bürgerrechte der Sinti und Roma. Mit zahlreichen Aufsätzen und Artikeln, später auch mit seinem Buch „Oh Django, sing Deinen Zorn!“ erinnerte er nicht nur an ihr Schicksal in der NS-Zeit, sondern lieferte wiederholt auch kritische Beschreibungen ihrer schwierigen Situation in der DDR. Er gilt zudem als Initiator eines Gedenksteins, der seit 1986 an das NS- Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn erinnert.
Inhaltliche Fragen
Wolfram Hülsemann
gilsenbach.erinnern@gmx.de
Tel. 0164256106