🟩 Integration persönlich und live !
Diesen Donnerstag war ich nach meinem Besuch der Ausstellung des DGB auch nebenan in der „Machbar“ des Stadtteilzentrums vom Träger Volkssolidarität Berlin. Eigentlich wollte ich „nur fix“ nach einem Stück Futterstoff fragen und natürlich schauen, wie der Raum inzwischen genutzt wird. Daraus wurde natürlich wie immer eine Stunde, Plausch mit den strickenden Seniorinnen und deren Fragen zum Stadtteil, dem Schulbau, der Seniorenarbeit. Kaffee, dazu Gebäck zum Ramadan, da kommen wir alle schnell zusammen. Beeindruckend aber vor allem das Gespräch beim Nähen mit Frau Saloua Nyazy. Eine liebevolle und kundige Gesprächspartnerin, Danke für alles.

Und dazu passend habe ich jetzt natürlich das Porträt der Journalistin Steffi Bey rausgesucht, ich habe es erst am Abend nach !! meinem Besuch gelesen. Alles stimmt, was Frau Bey erst kürzlich für den Tagesspiegel verfasste.
❤️ Lesenswert!



Tagesspiegel
Saloua Nyazy ist angekommen. Sie sagt das vorsichtig, fast ein bisschen zurückhaltend. Denn die Sehnsucht nach ihrer Heimat Syrien bleibt. Sie träumt davon, ihren Lebensabend gemeinsam mit ihrem Mann dort zu verbringen. „Ich fühle mich wohl in Deutschland und bin sehr dankbar“, sagt sie dann und lächelt. Ihre Augen strahlen und es geht so eine Herzenswärme von ihr aus.
„Das spürt hier jeder, Saloua ist eine Perle“, betont Martina Polizzi, die das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte leitet. Dort begegneten sich die beiden Frauen zum ersten Mal 2017. „Ich habe gefragt, ob ich helfen kann und kümmerte mich um das Nähcafé“, erzählt die Syrerin. Aus diesem Projekt wurde inzwischen die MachBar37. Gleich neben dem Stadtteilzentrum ging es 2021 an den Start.
Saloua leitet diesen besonderen Treffpunkt: Eine interkulturelle Selbsthilfewerkstatt, ein Ort des Austausches und der Begegnung. Menschen unterschiedlicher Herkunft kommen zusammen, um kreativen Hobbys nachzugehen, ihre Fähigkeiten weiterzugeben oder um defekte Alltagsgegenstände gemeinsam zu reparieren.
Wer durch die Marzahner Promenade läuft und in den Laden schaut, kann das geschäftige Treiben beobachten.
Oder noch besser: Hereinkommen – sich an den großen Tisch setzen, mit den anderen stricken, häkeln oder nähen. Verständigt wird sich manchmal mit Händen und Füßen. „Aber das ist egal, wir verstehen uns und haben Spaß“, sagt Saloua. Betritt jemand den Raum, steht sie sofort auf und begrüßt den Gast persönlich. Oft nimmt sie die Menschen dabei in den Arm. „Das ist für mich selbstverständlich“, sagt die 60-Jährige, die für jeden ein freundliches Wort findet und hilft, wo sie kann. „Weil es mich glücklich macht und ich auch etwas zurückbekomme.“
Ihr ist es wichtig, vor allem etwas für die Frauen mit Migrationshintergrund zu tun. „Ich möchte, dass sie mehr Selbstbewusstsein haben und wissen – sie sind alle starke Frauen“, erklärt Saloua. Sie initiierte zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe für arabische Frauen, die sich jeden Mittwoch treffen. Dabei wird nicht nur geredet, sondern auch getanzt, gekocht und es stehen Ausflüge auf dem Programm. Das Tolle sei, dass an diesem einen Ort so viele verschiedene Menschen zusammenkommen. „Da geben ältere Einheimische ihr Wissen an Jüngere weiter, es wird sich ausgetauscht und viel miteinander kommuniziert“, sagt die Leiterin. Auch Workshops und Beratungen gibt es.
Zu den ehrenamtlichen Helfern gehört Karola. Sie repariert kaputte Kleidung oder näht etwas nach Wunsch. „Ich möchte mich einbringen“, erklärt die Marzahnerin. Zusammen mit anderen Aktiven wurde in der Begegnungsstätte schon viel auf die Beine gestellt: Unter anderem voriges Jahr mehr als 1600 Glückswürmer kreiert, Sorgenfresser und Eierwärmer gefertigt und an Bedürftige verschenkt. „Das gesamte Material, was wir verarbeiten, ist gespendet“, sagt Saloua.
Besonders gerne erinnert sie sich an die internationale Modenschau vor ein paar Jahren, die in der Marzahner Promenade stattfand. Selbstgenähte Kleidung aus den Herkunftsländern der Frauen wurde von ihnen auf einem Roten Teppich präsentiert. Bei schönem Wetter werden die Begegnungen manchmal nach draußen verlegt. Auch das grüne Klavier steht dann vor der MachBar-Tür. „Jeder, der daran musizieren möchte, kann das gerne tun“, sagt Saloua.
Sie hat noch viele Ideen, die sie unbedingt umsetzen möchte: Wieder eine Bauchtanzgruppe aufbauen und für Kinder ein Häkelprojekt starten, beispielsweise. Außerdem engagiert sie sich in einer Flüchtlingsunterkunft in Alt-Hohenschönhausen. Wie sie das alles schafft? „Darüber denke ich nicht nach, ich bin zum Glück gesund und muss einfach helfen.“ Anderen Frauen, die gerade in Deutschland angekommen sind, rät sie: „Unbedingt ehrenamtlich zu arbeiten, denn dabei lernt man viel besser Deutsch. Genauso hat sie es gemacht.
Die „Machbar 37“ ist ein Projekt der Volkssolidarität Berlin und befindet sich in der Marzahner Promenade 37.
P.S. Spenden, Kleidung, Stoffe, Nähgarn, Nähmaschinen, Wolle 🧶 können hier abgegeben werden auch für die Unbezahlbar, wenn diese nicht geöffnet hat!