Piccolo Teatro

By

Heimat und Geschichtskultur brauchen neue Partnerschaften

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute hier zu Ihnen sprechen zu dürfen, an diesem wunderbaren Herbsttag, in dieser frisch sanierten Jesuskirche mitten im Herzen von Kaulsdorf, mit Dank und Anerkennung für vieles, was in den letzten Jahren mit Ihrem Engagement und durch dieses geleistet worden ist.
Zuerst einmal danke ich Herrn Brauer für die Begrüßung als „Freundin der Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf e.V.“ und die damit verbundene Wertschätzung, die ich gern Ihnen, lieber Herr Brauer und auch den vielfältig engagierten Mitstreitern zurückgebe. Zum Thema selbst gibt es heute noch vielfältige Vorträge, so dass ich die Gelegenheit nehmen möchte, einige wichtige Ebenen der Zusammenarbeit Revue passieren zu lassen.

Ich erinnere mich gut an unser erstes gemeinsames Projekt, ein unschöner Anlass hier direkt vor der Tür, die Gedenktafel für Pfarrer Grüber war zerstört worden und wir haben gemeinsam einen Spendenaufruf gestartet. Gut ist, dass diese Tafel seitdem nie wieder zur Zielscheibe von Vandalismus wurde, andere Kunstwerke schon.
Für das Engagement rund um Schloss Biesdorf, welches ich ebenfalls das Vergnügen hatte, es mit Ihrer Unterstützung gemeinsam als Bau und als Kunstort, Architektur und Denkmal, aber auch Ort der Begegnung und des Austauschs zu entwickeln, will ich an der Stelle auch einmal Danke sagen, da auch der Heimatverein hier immer wieder impulsgebend wirkte.

Bedanken möchte ich mich bei Frau Dr. Hübner, die den Heimatverein und damit Ihre gemeinsame Expertise, von der wir heute noch hören werden, in die bezirklichen Kommission Gedenkorte einfließen lässt und das seit Jahren. Sie stellt sich der Debatte, sie regt an und als nächstes Projekt vor uns wird es sicher ein Höhepunkt sein, wenn wir in Hellersdorf im neuen Wohngebiet der Gesobau im Gut Hellersdorf und herum um das Denkmal die Straßen nach Schriftstellerinnen der DDR benennen werden. Sie alle werden die Bücher der Autorinnen im Regal noch haben und es ist sicher ein sehr würdiger Tag, wenn wir mitten in diesem ambitionierten Neubauprojekt eine Strasse nach Brigitte Reimann nennen werden, die ihrerseits mit Franziska Linkerhand einen anderen Ort beschrieb, aber viele Problemfelder auch einer Grossiedlung Marzahn-Hellersdorf.

Mein Dank geht auch an zwei verdiente Bezirksverordnete, die immer wieder auch Themen um unsere Häuser, ich nenne hier das Gutshaus Mahlsdorf, die Benennung der Strasse nach Charlotte von Mahlsdorf, in die Bezirksverordnetenversammlung, also das lokale Parlament eingebracht haben, Herr Olaf Michael Ostertag, inzwischen im Vorstand und Frau Dr. Schilling, die hier gerade die Präsentation vorbereitet hat und zeigen wird. Das Thema Gedenkkultur hat uns auch zu vielen kontroversen Debatten geführt. Mein Wunsch wäre, diese durchaus auch öffentlicher zu führen, raus aus kleinen Interessengruppen in einen Stadtraum mit neuen Nachbarinnen und Nachbarn.

Ich freue mich, dass wir auch neue Familien und neue Mitglieder für das Thema begeistern können. Kaulsdorf selbst, darum geht es ja heute, ist im übrigen innerhalb der letzten 15 Jahre nicht so dynamisch gewachsen, wie man es vielleicht empfindet – 180 Menschen mehr als 2006. Dennoch wären auch diese neuen Familien einzubinden in die Themen, sind sie hier auch mit der Geschichte vertraut zu machen, wie es Frau Finnberg mit ihrem Projekt zur Wachsschmelze getan hat. Digital, auch das gehört zu den neuen Formen, um Menschen anzusprechen. Mein Wunsch ist, dass das Thema Lokale Geschichte, lokale Geschichten noch stärker im schulischen Unterricht und auch in der Jugendarbeit Platz finden möge, hier ist noch viel Spielraum, auch wenn wir mit den Stolpersteinprojekten jeweils sehr gute Aktivitäten der Schulen jeweils erlebt haben, wenn jeweils mit viel Empathie, Recherche und Einsatz diese Biografien erforscht wurden – bis zur letztlich Stolpersteinverlegung im würdigen Rahmen. Auch dafür vielen Dank.

Es ist aber nicht alles gelungen, hier nenne ich insbesondere den Rückzug des Heimatvereins von der Tradition des Stillen Gedenkens auf dem Parkfriedhof. In 2019 und 2020 war es eben kein stilles Gedenken mehr, es wurde zum Austragungsort von Auseinandersetzungen und der Heimatverein hat sich dazu verständigt, nicht mehr als Veranstalter die Verantwortung zu übernehmen. Das ist nachvollziehbar, aber auch betrüblich, hier setze ich darauf, dass die neue BVV, die sich am 4.11. konstituieren wird, und der neue Vorsteher und der Vorstand gewiss den Faden der Gedenkkultur aufnehmen werden. Es lohnt sich, über neue Formen der Gedenkkultur vorzudenken – aber es wird auch nötig sein, die Auseinandersetzung zu führen, auch mit Debatten im öffentlichen Raum, sonst sind Entscheidungen oftmals nicht nachvollziehbar.

Danken möchte ich auch Frau Ifland, die als Leiterin unseres Museums im Bezirk hier immer wieder Brücken schlägt zum Verein. Ein wichtiges Anliegen des Vereins, die Finanzierung einer Firma zur Absicherung der Wochenendöffnungen, hat sich bislang nicht umsetzen lassen. Jedes Mal haben wir es mit in die Haushaltsverhandlungen genommen, aber die Gelder konnten nicht frei gegeben werden. Ich bin mir sicher, dass auch das neue Bezirksamt das Thema auf die Tagesordnung nehmen wird und hoffe, dass die finanzielle Spielräume es ermöglichen. In den letzten 5 Jahren ist das Kulturamt stark durch den Bereich Soziales unterstützt wurden – jeweils mit einer halben Million, hier kann man nur hoffen, dass dies in einer neuen Zuordnung weiterhin läuft.

Beim Weg ins Dorf Kaulsdorf bin ich, wie Sie auch, am Unternehmen Schilkin vorbei. Ich habe mich erinnert, in welch schöner Weise die Familienunternehmer sich hier engagiert hatten, vom Turm bis zum Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt. Wir haben inzwischen so viele neue Unternehmen im Bezirk, dass ich nur raten kann, auf diese zuzugehen, viele sind vielleicht gute Partner, könnten es sein, weil auch ihnen der Bezirk, die Geschichte der Ortsteile wichtig ist.

Damit ist der Bogen zum Weihnachtsmarkt gespannt. Ich erinnere mich sehr gut an die wunderbaren Konzerte unsere Chöre, anheimelnde Atmosphäre, hier im Dorf und noch mehr in dieser wunderbaren Kirche. Ein Weihnachtskonzert hier zu erleben, die Orgel, den Gesang, ist etwas unvergleichlich Schönes. Dieser Markt war in Gefahr.
Wir hatten Termine auch bei mir am Tisch und dann hat in großer Not der Heimatverein als Organisator des Kaulsdorfer Weihnachtsmarktes diesen vollständig übernommen ! Eine enorme Leistung und ich kann nur hoffen, dass nach der Absage 2020 und 2021 es wieder möglich wird in 2022, solche Feste zu feiern. Das Biesdorfer Blütenfest, das Erntefest sind eben nicht allein Konsummeilen und Belustigung, sondern es sind auch Möglichkeiten, wo Vereine wie der Ihre immer auch mit einem Stand präsent ist, Menschen können sich unterrichten und werden motiviert. Zwei Jahre Pandemie hat diese Feste zum Erliegen gebracht, ein großer Verlust für das öffentliche Leben, nicht zu kompensieren durch digitale Medien.
Wer über Heimat spricht, braucht auch Zuhörende, den Dialog.
Und aus meiner Sicht, eher mehr davon.

Zum Abschluss danke ich den Referentinnen des heutigen Tages und hoffe, dass wir auch neue Dinge hören über das Bekannte. Ich danke der Kirchengemeinde Kaulsdorf, die es ermöglicht hat, dass die Veranstaltung unter Corona Bedingungen heute hier stattfinden kann, einen besseren Ort mit Blick auf den Altar und die Glasmalereien kann man sich nicht vorstellen. Diese Tag ist auch ein weiteres Zeichen der Verbundenheit des Heimatvereins und der Kirchengemeinde, die auf langjähriger Zusammenarbeit und Vertrauen basiert. Die Kirchengemeinde ist als einige Mitglied im Verein – hier kann ich den dezenten Hinweis geben, dass vielleicht die weiteren Gemeinden sich ebenso engagieren.

Ich wünsche dem Heimatverein unter der Leitung von Herrn Wolfgang Brauer, seinem Vorstand, allen Mitstreiterinnen, lokalen Chronisten und Sammlern von historischen Objekten immer gute Projekte, die Publikationen stehen bei mir ganz vorn im Regal und auch die heutige Veranstaltung wird wieder publiziert werden.

Allen Gästen neue Erkenntnisse und gute Gespräche !

Herzlichst Juliane Witt