Piccolo Teatro

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Leben hier und jetzt

Zu den sehr frühen Erfahrungen gehörte für mich, dass ich mit 10 Jahren meine Mutter verloren habe. Als wenn man jemand verliert auf der Strecke. Meine Mutter war einfach nicht mehr da, sie war nicht auf dem Friedhof und kein Grund dahin zu gehen, sie war nicht in der Küche, wenn ich nach Hause kam. Sie war einer auch noch heute tödlichen Krankheit ausgesetzt. Sie kämpfte und schaffte es nicht, der Krebs war stärker. Seitdem sind viele Gefährten gegangen, nicht mehr da, einfach tot und weg. Kollegen, Freunde, Familienangehörige.
Der Platz, an dem sie gerade noch fröhlich singend saßen, ist leer, niemand kann einen solchen Platz füllen. Vor einem Jahr war Klaus Teßmann, Fotograf, Journalist für unsere Wochenzeitung, knuffiger Kumpel und Ideengeber, historisch bewandert, Liebhaber guten Essens, einfach nicht mehr da. Wir waren dabei, als er auf Rügen beerdigt wurde, eine schöne, würdige Beerdigung – und eine noch schönere Feier im Anschluss mit Musik und Quarkkuchen. Es war beeindruckend, wie liebevoll und einfühlend alles gestaltet war und erst am Samstag erzählte Matthias Bielor vom Besuch auf dem Friedhof. Alles sei noch so da. Unser Hühnergott, das kleine Glas Glück mit Muscheln, die wir am Vormittag vor der Beerdigung gesammelt hatten. Für mich bedeutet es aber auch, im heute und hier das Glück zu genießen, mit Menschen positive Ideen und Projekte zu teilen und sich so zueinander zu verhalten, dass man nichts bereuen muss. Gerade im Wahlkampf nicht einfach, aber mir ist wichtig, dass man auch nach dem Wahltag positiv starten kann mit der gemeinsamen Arbeit.